Mathilde und Arnold Schönberg, Berlin-Südende, 1915 © Alban Berg Stiftung, Wien

Bei einer Auktion von Autographen konnte für das Archiv vor kurzem ein bislang unbekannter Brief von Arnold Schönberg an Smaragda von Eger, Schwester seines Schülers Alban Berg, aus dem Jahr 1915 erworben werden.

Der Stiftungszweck der Arnold Schönberg Center Privatstiftung sieht u. a. den »Erwerb und die Erhaltung von […] Materialien« vor, »die Bezug zu Arnold Schönberg haben«. Seit Bestehen unserer Institution konnten wir eine Vielzahl von Objekten erwerben, sei es in Form von Ankäufen bei Auktionen, im freien Verkauf oder von privat, aber auch durch Schenkungen. Bedeutende Bestände kamen zudem in Form von Dauerleihgaben an das Center.
Der mit 16. Februar 1915 datierte Neuzugang unseres Archivs bezieht sich auf eine Zusammenkunft in Schönbergs Wohnung in Berlin-Südende (Berliner Straße 17a, heute: Sembritzkistraße 33/33a). Zu den Anwesenden zählten außer dem Komponisten u. a. dessen Frau Mathilde, sein Schüler Heinrich Jalowetz sowie Smaragda von Eger und deren Partnerin May Keller.
Die Konversation in der Berliner Straße – wie zumeist an Samstagen hatte Schönberg auch am 6. Februar 1915 zu sich nach Hause eingeladen – mündete in einem handfesten Streit. Dieser konnte auch durch ein Entschuldigungsschreiben Egers/Kellers vom 12. des Monats nicht ausgeräumt werden. Schönbergs Unmut entzündete sich zunächst an einer durch seine weiblichen Gäste hervorgebrachte, unangemessene Bemerkung über den Komponisten Max Reger, den der Gastgeber bekannterweise hochschätzte. Weiters kam es zwischen Schönberg, Eger und Keller zu einer Auseinandersetzung um die Rolle von Heinrich Jalowetz, dessen Geringschätzung durch die anderen Gäste Schönberg aufs Schärfste verurteilte. Er schreibt in seinem Brief: »Das ist auch ein Unrecht gegen mich, denn er ist einer meiner besten Schüler, und das sollten Sie bedenken. Außerdem aber ist er 1. Kapellmeister eines grösseren Theaters und kommt bereits ernsthaft für erste Stellen in Betracht (So hat ihn Zemlinsky als seinen Nachfolger in Prag vorgeschlagen!!!)«
In das den Brief abschließende Versöhnungsangebot legt Schönberg seine – jedes Widerwort entwaffnende – Autorität:
»Ich möchte Ihnen sagen, worin Sie Unrecht hatten; denn ohne solche Aussprache gibt es keine gründliche Versöhnung. Ich hoffe, Sie werden nun eingesehen haben, dass Ihre Empfindlichkeit und Nervosität mir gegenüber wirklich nicht nötig ist. Eine weitere Aussprache oder Erklärung können wir dann leicht unterlassen. Und wenn Sie dann bald wieder zu uns kommen, werde ich ohne Weiteres stillschweigend annehmen, dass Sie mir Recht gegeben haben und dann soll alles wieder in Ordnung sein.«

Eger 1 © Belmont Music Publishers, Pacific Palisades/CA Eger 2 © Belmont Music Publishers, Pacific Palisades/CA Eger 3 © Belmont Music Publishers, Pacific Palisades/CA